Hereditäre Karzinogenese bezieht sich auf die Entwicklung von Tumoren aufgrund von Keimbahnmutationen in Genen, die als Risikogene für bestimmte Krebserkrankungen bekannt sind. Sie ist damit von der familiären Karzinogenese abgegrenzt, die eine Häufung von Krebserkrankungen unter Verwandten beschreibt, ohne dass eine der bekannten genetischen Prädisposition vorliegt. Letzteres bedeutet nicht, dass es keine genetische Ursache für die familiäre Häufung gibt, sie ist möglicherweise bislang nur nicht identifiziert. Kolorektale Karzinome sind verglichen mit anderen Tumorentitäten dadurch einzigartig, dass sie sich fast immer aus einem mit dem bloßen Auge gut sichtbaren, gutartigen polypösen Vorläufer entwickelt. Die molekularen Mechanismen der Vorläuferentstehung unterscheiden sich von denen karzinomatöser Polypentransformation. Erbliche Darmkrebsprädispositionen lassen sich in polypöse und nichtpolypöse Erkrankungen einteilen. Erstere erhöhen das kolorektale Karzinomrisiko durch eine erhöhte Zahl an Adenomen, letztere durch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit der Adenomtransformation. Diagnostische Aufgabe der Pathologie ist es, aus der Tumormorphologie in Kombination mit klinischen Daten eine erbliche Veranlagung zu erkennen und auf die Möglichkeit einer Klärung durch humangenetische Beratung zu verweisen. Im folgenden Beitrag wird der aktuelle Stand des Wissens über erbliche Darmkrebserkrankungen zusammengefasst.